Adler

Der  Adler, wie  ihn  diese  Bilder  zeigen,  wurde  von  mir  als  Segelflugmodell  konstruiert  und  in  den  Jahren  1998 – 2002  gebaut.  Ich  habe  mich  dabei  weitestgehend  am  „Original“ , einem  Steinadler, orientiert.  Daher  gingen  Besuche  im  Zoo  und  auf  Greifvogelwarten  sowie   die  Lektüre  ornithologischer  Bücher  der Sache  voraus ;  insbesondere  im  Bereich  der  Handschwingen  („Winggrids“)  sollten  keinerlei  Abstriche  hinsichtlich  der  Vorbildtreue  erkennbar  werden.  Die  sich  daraus  ergebende  sehr  komplexe  Geometrie  schien  mir  nur  mittels  Voll-GFK-Bauweise   umsetzbar. ( Dass  ich  mal  den  Beruf  des  Formenbauers  erlernt  habe,  erweist  sich  bei  solchen  Anlässen  als  sehr  vorteilhaft…)  Und  so  entstand   zunächst  ein  konventionell  gebautes  Urmodell  mit  196cm  Spannweite. Als  Profil  wurde  in  Flügelmitte  ein  etwas  abgewandeltes  RAF 33   ( S-Schlag)-Profil  verwendet. (Siehe  Zeichnung) . Die  Flächen  sind  leicht  geschränkt.  Von  Rumpf  und  Flächen  wurden  dann  jeweils   zweiteilige   Epoxydharz-Negativformen  abgenommen.  Gesteuert  sollte  das   Teil  durch  Querruder,  Höhenruder  und  evtl.  auch  Seitenruder  (bestehend aus einer  aufgesetzten , handflächengrossen, dünnen   Lexanplatte)  werden. 

Bei  den  ersten  Flügen  musste  zunächst  der  Schwerpunkt  gefunden  werden.  Dabei  zeigte  sich ,  dass  der  Vogel  leider  viel  Blei  im  Schnabel  brauchte.  Das  Fluggewicht   kam  schliesslich  auf  2200 Gramm.  Was  ganz  grob  gerechnet  einer  Flächenbelastung  von  rund  50gr/qdm   entspricht.   Das  ist  für  ein  Segelflugmodell   dieser  Grösse  wirklich  nicht  wenig.  Man  muss  aber  wissen,  dass  ein  richtiger  Adler -  wie  alle  grossen  Greifvögel-  noch  eine  deutlich  höhere  Flächenbelastung  aufweist,  nämlich  etwa  70gr/qdm.  ( Die  Flächenbelastung  von  Albatrossen  ist  gar  doppelt  so hoch.)  Jedenfalls,  mein  Adler  wurde  kein  Thermiksegler….. Es  zeigte  sich,  dass  er  sich  erst  bei  Windgeschwindigkeiten  um  30km/h   richtig  wohl  fühlt.  Dann  zeigt  er  aber  ein  sehr  ruhiges  und  vorbildähnliches  Flugbild.  Nachdem  Querruder  und  Höhenruder  vergrössert  wurden , lässt  er  sich  auch  angenehm  und  unkritisch  fliegen.  Weitere  Flüge   müssen  zeigen , ob  evtl.  auf  ein  gesteuertes  Seitenruder  verzichtet  werden  könnte.

Nachträglich  habe  ich  alle  konventionellen  Zeichnungen  meines  Adlers  zusammengefasst  und  damit  begonnen,  den  Vogel  auch  mittels  3D-CAD  nachzumodellieren.

Was  würde  ich  anders  machen,  wenn  ich  nochmal  von  vorne  anfangen  wollte ?   Ich  würde  ihn  grösser  bauen,  mit 3  - 3,5m Spannweite. Und  die  Tragflächen   würde  ich  nicht  mehr  in   GFK-Schalenbauweise  herstellen,  sondern  - mit  geringfügigen (!) -geometrischen  Vereinfachungen,  mittels  ( CNC-gefräster )  Rippenbauweise. Das  ist  mühselig  genug,  vor  allem  die  Beplankung, ich weiss.   Aber  Urmodellbau  wäre  noch  aufwändiger.  Die  Winggrids,  die  ja  ganz  massgeblich  zum  realistischen  Erscheinungsbild  des  ganzen  Vogels  beitragen,  könnten  evtl.  aus  dünnen  Sperrholz  CNC-gefräst,  mittels  Biege- oder  Pressformen (z.B. einfach  aus  MDF-Platten  bestehend)  hergestellt, mit  Depron  o.dgl.  aufgedickt   und  schlussendlich  separat  - und  abnehmbar-  an  die  Tragflächenenden  angeschraubt  werden.  Ein  Rippenflügel  wäre  wahrscheinlich  leichter  als  ein  Voll-GFK-Flügel.  -  Um  Trimm-Blei  zu  sparen,  könnte  der  Kopf  des Adlers  ein  klein  wenig  gestreckt  werden.  Auch  der  Rumpfquerschnitt  dürfte  etwas  schlanker  ausfallen.

 Adler (3D-Ansicht)  

Video

 

 

Hans-Martin  Riehle